Costa Rica: Héctor Alvarado Cantillo, Schlichter

Héctor Alvarado Cantillo, Schlichter in Costa Rica

Die Sickergrube der Schweinezuchtanlage Porcina Americana in Costa Rica verpestete die Luft in den umliegenden Gemeinden und das Wasser des Flusses. Dem Betrieb drohte deshalb die Schließung und damit über 100 Mitarbeitern die Arbeitslosigkeit. Héctor Alvarado Cantillo handelte eine Lösung aus: Die GIZ unterstützte im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Bau einer modernen Biogasanlage, die nun aus den Abfällen regenerativen Strom für die Gemeinden erzeugt.

In Ihrer Heimatgemeinde gibt es ein Leben „vor und nach der Biogasanlage“. Was heißt das?

Stellen Sie sich eine riesige Sickergrube vor. Und da gärt – bei unseren sub-tropischen Temperaturen und vielen Regenfällen – alles vor sich hin, was so an Abfall anfällt. Wissen Sie, wie das stinkt? Über Kilometer hinweg hatten die Bewohner der umliegenden Dörfer zu leiden. Das Wasser unseres Flusses war verseucht. Seltsame Krankheiten grassierten. In der Schule meiner Tochter musste bei brütender Hitze hinter geschlossenen Fenstern und Türen gelernt werden, sonst hätten die Kinder den Gestank nicht ausgehalten. Nun verschwindet das in der Biogasanlage – und kommt als Strom für unsere Lampen und Kühlschränke wieder raus. Es ist wie ein Wunder.

Was bedeutet Ihre Arbeit für Sie und andere?

Ich arbeite gern mit den Schweinen. Auch sie haben ihre fünf Sinne. Aber natürlich bedeutet meine Arbeit auch das Einkommen, von dem ich und meine Familie leben. Hätten wir den Betrieb wegen der Verschmutzung schließen müssen, wäre das ganze Dorf arbeitslos geworden. Mit der Biogas-Anlage konnten wir allen ein Auskommen sichern.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich halte nichts von Kneipen und Alkohol. Ich durchforste mit meiner selbstgebauten Wünschelrute die Hügel, um nach unentdeckten Wasserquellen zu suchen. Da sind mir meine Nachbarn unendlich dankbar.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Natürlich meine Lieben, meine Frau, meine Kinder. Aber wie sollen die in verpesteter Luft und verseuchtem Wasser gesund und glücklich leben? Deshalb ist mir in den vergangenen Jahren bewusst geworden, wie wichtig Umweltschutz in unserer Zeit ist. Ich hätte gerne, dass das auch den nachkommenden Generationen stärker vermittelt wird.

Wenn Sie eines Tages Geschäftsführer der Schweinezucht wären, was würden Sie tun?

Ich würde das weiter vorantreiben, was wir bereits begonnen haben: Dass die Anwohner und das Unternehmen ohne Konflikte neben einander existieren können.


        
    
Zu einem guten Start in einen neuen Tag gehört eine Tasse starker Hochland-Kaffee und ein Gespräch mit dem Kollegen im Wachhaus des Schweinezuchtbetriebs.
Zu einem guten Start in einen neuen Tag gehört eine Tasse starker Hochland-Kaffee und ein Gespräch mit dem Kollegen im Wachhaus des Schweinezuchtbetriebs.

        
    
Héctor Alvarado Cantillo mag Schweine: „Auch sie haben ihre fünf Sinne – wir behandeln sie gut. Außerdem sind sie wichtige Nahrung für uns.“
Héctor Alvarado Cantillo mag Schweine: „Auch sie haben ihre fünf Sinne – wir behandeln sie gut. Außerdem sind sie wichtige Nahrung für uns.“

        
    
Der Stein des Anstoßes: Die Sickergrube - überfrachtet mit Abfällen aus dem Schweinemastbetrieb - verpestete die gesamte Umgebung. Fotos: Ana Carlota Valles
Der Stein des Anstoßes: Die Sickergrube - überfrachtet mit Abfällen aus dem Schweinemastbetrieb - verpestete die gesamte Umgebung. Fotos: Ana Carlota Valles

        
    
Cantillo entnimmt regelmäßig Wasserproben, die in einem Labor analysiert werden. Die Nitratbelastung sinkt stetig.
Cantillo entnimmt regelmäßig Wasserproben, die in einem Labor analysiert werden. Die Nitratbelastung sinkt stetig.

        
    
Die Verantwortung für die Wartung der Biogas-Anlage liegt bei Cantillo. Die Anlage wird jährlich 38.000 Liter Diesel und 6.000 Liter Gas substituieren.
Die Verantwortung für die Wartung der Biogas-Anlage liegt bei Cantillo. Die Anlage wird jährlich 38.000 Liter Diesel und 6.000 Liter Gas substituieren.

        
    
Cantillo legt den Schalter um: Der Costa-Ricaner ist froh, dass dank der Biogasanlage wieder Ruhe im Dorf eingekehrt ist.
Cantillo legt den Schalter um: Der Costa-Ricaner ist froh, dass dank der Biogasanlage wieder Ruhe im Dorf eingekehrt ist.

        
    
„So etwas, wie diese Anlage, hat in unserem Dorf noch niemand gesehen!” erzählt Cantillo stolz. Die Anlage hat 1,5 Mio. USD gekostet – eine lohnende Investition.
„So etwas, wie diese Anlage, hat in unserem Dorf noch niemand gesehen!” erzählt Cantillo stolz. Die Anlage hat 1,5 Mio. USD gekostet – eine lohnende Investition.

        
    
Cantillo ist ein weitsichtiger Mann. Er wünscht sich, dass die nächsten Generationen wieder lernen, rücksichtvoll und nachhaltig mit der Natur umzugehen.
Cantillo ist ein weitsichtiger Mann. Er wünscht sich, dass die nächsten Generationen wieder lernen, rücksichtvoll und nachhaltig mit der Natur umzugehen.

        
    
Sein Ruf als Streitschlichter und fürsorglicher, hilfsbereiter Nachbar eilt Cantillo voraus – er ist in Coris und Umgebung ein gern gesehener Mitbürger.
Sein Ruf als Streitschlichter und fürsorglicher, hilfsbereiter Nachbar eilt Cantillo voraus – er ist in Coris und Umgebung ein gern gesehener Mitbürger.