20.04.2020

Sri Lanka ein Jahr nach den Anschlägen: Wunden schließen und Grenzen überwinden

Die Osteranschläge 2019 weckten auf dem Inselstaat Sorgen vor vergangen geglaubter Gewalt. Dagegen arbeitet eine Initiative für eine friedliche Aufarbeitung des Bürgerkriegs und bringt verschiedene Gruppen zusammen.

Anschläge auf mehrere Kirchen und Hotels erschütterten Sri Lanka am Ostersonntag 2019. Erinnerungen wurden wach an die jahrelangen Ausschreitungen im Bürgerkrieg, die erst 2009 ein Ende gefunden hatten. Das fragile Vertrauen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurde auf die Probe gestellt. Religiöse Spannungen traten nach den Anschlägen wieder deutlich hervor und richteten sich nun vor allem gegen die muslimische Bevölkerung.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH konnte schnell auf diese neue Situation reagieren und unmittelbar unterstützen. Schon seit 2017 arbeitet sie im Auftrag des Auswärtigen Amtes und der Europäischen Union für eine friedliche Aufarbeitung des Bürgerkriegs und für Versöhnung im Land. Bereits bestehende Partnerschaften und Erfahrungen konnte die GIZ nun nutzen, um Betroffene direkt zu erreichen und den Austausch zwischen den Gruppen zu fördern.

So erhielten über 300 Überlebende und Angehörige der Opfer unmittelbare psychosoziale Betreuung. Das Projekt unterstützte eine Trauerbegleitungsgruppe und Hausbesuche für Hinterbliebene. Freiwillige Helfer*innen erhielten wichtige Schulungen in psychologischer Erster Hilfe. Für Eltern und Lehrkräfte wurden Kurzvideos produziert, die die Kinder auf die Rückkehr in die Schule vorbereiteten.

In den Anschlagsorten Negombo und Colombo unterstützte das Projekt die Organisation von religionsübergreifenden Begegnungen. Die Beteiligten bildeten Netzwerke zum Austausch zwischen den Bevölkerungsgruppen. Ein wichtiger Schritt, um religiös motivierte Spannungen langfristig abzubauen. Eine Nonne, die an diesen Treffen teilnahm, betonte ihre Unterstützung für den Zusammenhalt: „Es gibt Extremist*innen in allen Religionen – Buddhismus, Christentum, Hinduismus und Islam – das bedeutet nicht, dass wir alle Extremist*innen sind. Es ist Zeit, diese Barrieren zu überwinden.“

Anti-muslimische Stimmungen haben sich nach den Anschlägen auch in den sozialen Medien weiter verstärkt. Um diesen entgegenzuwirken, setzt sich das Projekt auf seinen Social Media Kanälen für positive Botschaften ein. Außerdem hat es mit einer Nichtregierungsorganisation sowie über 1.000 Jugendlichen zusammengearbeitet. Gemeinsam produzierten sie mehrere Videos, die Geschichten von Vielfalt und Koexistenz erzählen. Mit Erfolg: Die Videos erreichten mehr als eine Million Menschen.

Aktuell bereitet das Projekt eine Studie zur Verbreitung von Hassbotschaften in den sozialen Medien vor. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, die Arbeit zu Versöhnung und Austausch sowohl online als auch in den Gemeinden noch besser steuern zu können. Auch in Zeiten des Coronavirus kann das Projekt seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen und baut unter anderem auf psychosoziale Betreuung. Mit Unterstützung der GIZ kann sich ein Netzwerk von über 100 psychosozialen Fachkräften nun noch besser austauschen. Sie begleiten die Menschen beim Umgang mit den sozialen Folgen der Einschränkungen durch das Virus.

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