Thema

Sichere Einkommen, neue Perspektiven

Millionen Menschen sind nach Äthiopien geflohen oder wurden innerhalb des Landes vertrieben. Das stellt die Gemeinden, die sie aufnehmen, vor enorme Herausforderungen. Die GIZ hilft den Geflüchteten und den Menschen vor Ort, Arbeit zu finden und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Eine Frau in einem bunten Kleid steht in einem kleinen Laden neben einem Stapel Stoffe.

Auf dem Markt von Jigjiga, einer Stadt im Osten Äthiopiens, herrscht geschäftiges Treiben. Zwischen Stoffbahnen und Nähmaschinen beugen sich Badri Mustafa, Abdikadir Mohamed und Hinda Abdi konzentriert über ihre Arbeit. Alle drei stammen aus der Gegend, trafen aber erst vor anderthalb Jahren aufeinander. Was sie verband, war die Suche nach einer Perspektive in einem Umfeld, das ihnen kaum Chancen bot. Kennengelernt haben sie sich an der technischen Berufsschule Jigjiga Polytechnic College. Dort bietet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums verschiedene Ausbildungen für Geflüchtete und die lokale Bevölkerung an. Die Europäische Union kofinanziert das Projekt. 

Badri, Abdikadir und Hinda lernten Schneidern und erhielten anschließend eine Startfinanzierung. Sie kauften Nähmaschinen und gründeten ein kleines Geschäft in guter Lage. „Unser Leben hat sich seither stark verbessert. Das Einkommen reicht inzwischen, um unsere Familien zu versorgen“, sagt Badri Mustafa. Und ihre Pläne reichen weiter: Sie wollen, dass ihr Unternehmen wächst und sie dadurch selbst weitere Jobs für Menschen in ihrer Gemeinschaft schaffen.

Zwei Männer und eine Frau stehen in einem Laden. Rechts von ihnen türmen sich bunte Stoffstapel.
Badri Mustafa, Abdikadir Mohamed und Hinda Abdi (von links) vor ihrem Geschäft in Jigjiga im Osten Äthiopiens.

Zugang zu Weiterbildung und Arbeit schaffen

Äthiopien ist Zufluchtsort und Krisenregion zugleich: Es gehört zu den größten Aufnahmeländern für Geflüchtete in Afrika. Gleichzeitig wurden durch anhaltende Konflikte, insbesondere im Norden des Landes, fast zwei Millionen Menschen innerhalb Äthiopiens aus ihrer Heimat vertrieben. Das stellt das Land vor enorme Herausforderungen. Die Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten reichen für sie nicht aus. Es gibt nur wenig Angebote zur Berufsbildung. Hier setzt die GIZ an und unterstützt das äthiopische Arbeitsministerium dabei, diese auszubauen und breiter zugänglich zu machen. 

Davon profitieren insbesondere junge Menschen: In Berufsschulen werden sie in Bereichen ausgebildet, die besonders nachgefragt sind. Dazu zählen etwa Landwirtschaft, Metallverarbeitung oder Klimatechnik. Außerdem erhalten sie Unterstützung dabei, eigene Geschäftsideen umzusetzen. Partnerschaften mit lokalen Unternehmen erleichtern den Übergang von der Ausbildung zur Arbeit. Rund 3.200 Menschen haben so bereits eine Ausbildung abgeschlossen. Mehr als 4.200 haben die Weiterbildungsangebote genutzt, um ihre Chancen auf einen Job zu verbessern.

Eine junge Frau steht in einer grünen und blühenden Landschaft. Sie lächelt in die Kamera.
Aufgrund des anhaltenden Konflikts im Norden des Landes war die Bauingenieurin Brhan Byhane gezwungen, ihre Heimatregion Tigray zu verlassen.

Gemeinsames Lernen fördert den Zusammenhalt

Elf Berufsschulen wurden durch die Unterstützung der GIZ bereits zu integrativen Schulen ausgebaut. Hier begegnen sich Geflüchtete, Binnenvertriebene und Menschen aus den Aufnahmegemeinden und lernen gemeinsam. In den Klassenzimmern, Werkstätten und bei gemeinsamen Aktivitäten kommen sie ins Gespräch. Die psychosozialen Angebote der Schulen helfen dabei, dass daraus mit der Zeit echtes Miteinander wird.

Wie viel das bewirken kann, zeigt die Geschichte von Brhan Byhane. Die 29-Jährige musste ihre Heimat im Norden Äthiopiens verlassen und neu anfangen. „Es war wirklich schwierig, vor allem mental. Es fiel mir schwer, auf andere zuzugehen“, sagt sie rückblickend. Eine Ausbildung im Bauwesen an einer der Berufsschulen eröffnet ihr nun neue Perspektiven. „Heute spreche ich wieder mit Menschen, unterstütze andere und gebe diese Hoffnung weiter.“ Für Brhan ist die Ausbildung erst der Anfang. Ob sie sich selbstständig machen wird oder eine Anstellung antreten, wird die Zukunft zeigen – die nächsten Schritte sind für sie aber bereits greifbar. „Ich sehe das große Ganze. Ich werde zeigen, wer ich bin und was ich kann“, sagt sie. 

 

Downloads

  • Factsheet zum Projekt zu Qualifizierungs- und Beschäftigungsperspektiven in Äthiopien
    pdf
    486,33 KB
Die GIZ arbeitet weltweit – für dieses Vorhaben hier: Passende Expertise der GIZ: Relevante nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs):
Wird geladen